Kurzer Kommentar zur aktuellen deutschen Debatte über die Ehe für alle

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ So steht es im Grundgesetz. Das heißt auch, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf. Die sucht man sich nämlich genauso wenig aus wie sein Geschlecht oder seine Hautfarbe. Es ist also eigentlich ganz einfach: Die Ehe für alle muss kommen (nicht die „Homo-Ehe“, die es genauso wenig gibt wie die „Homo-Geburt“ und den „Homo-Mietvertrag“). Wenn man sich die Entwicklungen im Rest der Welt anschaut, wird sie das auch – früher oder später. Es könnte ganz schnell gehen und Deutschland wäre endlich nicht mehr Mitglied im peinlichen Kreis derjenigen westlichen Demokratien, die immer noch offen Lesben und Schwule diskriminieren. Wäre da nicht die CDU, oder genauer: deren „konservativer“ Flügel. Dort heißt es nämlich: „Ich habe ja nichts gegen Lesben und Schwule, aber…“ Dieses „aber“ weckt schmerzliche Erinnerungen an die Gegner früherer Bürgerrechtsbewegungen und passt nicht zu einem modernen und liberalen Deutschland. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Lesben und Schwulen das Recht auf Ehe und Familie vorzuenthalten. Ehe ist die staatliche Anerkennung der Entscheidung eines Liebespaares, dauerhaft Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das geht oft einher mit der Gründung eines gemeinsamen Haushalts, gegenseitiger finanzieller Unterstützung und der gemeinsamen Erziehung von Kindern. Nichts von alledem hat mit dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung der Ehepartner zu tun. Wieso dann politischer Widerstand? Wenn es nur darum geht, gegen Lesben und Schwule voreingenommene Wählerinnen und Wähler nicht zu verprellen, ist das unredlich. Wenn manche tatsächlich noch meinen, sie könnten die Ehe für alle langfristig verhindern, haben sie das im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgebot nicht verstanden.