

Ich werde heute beiläufig in einem Artikel der Schwäbischen Post zur Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen erwähnt. Als diese 2015 eröffnet wurde, gab es online eine Flut an Hasskommentaren. Eine Auswahl dieser Kommentare habe ich damals unter lea-ellwangen.tumblr.com und hier dokumentiert, um auf das Problem hinzuweisen und Menschen zu ermutigen, sich aktiv für ein friedliches Miteinander einzusetzen.
Leider sind rassistische Einstellungen auch heute, mehr als zehn Jahre später, in Deutschland noch sehr weit verbreitet. Einige Studien gelangen zu dem Schluss, dass biologistische und kulturelle Vorurteile in letzter Zeit sogar zugenommen haben.
So bescheinigt zum Beispiel die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 der Universität Leipzig 21,8 Prozent der Deutschen (und 61% der AfD-Wählerschaft!) ein geschlossen ausländerfeindliches Weltbild. Im Vergleich zur vorherigen Studie aus dem Jahr 2022 hat sich das Bild besonders in Westdeutschland deutlich verschoben: Die entsprechende Zahl stieg dort von 12,6 Prozent auf 19,3 Prozent.
Ein Fünftel der Deutschen ist offen ausländerfeindlich! Was tun? Als Einzelperson fühlt man sich oft machtlos, aber tatsächlich kann jede einzelne Person etwas gegen Rassismus bewirken. Ein wichtiger erster Schritt ist oft, sich selbst ehrlich zu reflektieren und eigene Vorurteile zu hinterfragen. Sei offen für Kritik und bereit, dazuzulernen (z. B. über die Geschichte des Rassismus und verschiedene Diskriminierungsformen). Achte bewusst auf deine Sprache. Dazu gehört, respektvolle Begriffe zu verwenden und Stereotype zu vermeiden.
Wenn du im Alltag rassistische oder fremdenfeindliche Äußerungen oder Witze hörst, solltest du diese nicht einfach stehen lassen, sondern widersprechen. Oft glaubt das Gegenüber, für die “schweigende Mehrheit” zu sprechen. Es ist wichtig, klarzumachen, dass dem nicht so ist. Bleib sachlich und ruhig. Konstruktiv können beispielsweise einfache Nachfragen sein: “Wie meinst du das?” oder “Findest du das wirklich okay?”
Wenn du Diskriminierung beobachtest, misch dich ein und schau nicht weg. Für Betroffene macht es einen großen Unterschied, nicht allein zu sein.
Leiste Aufklärungsarbeit im Freundes- und Familienkreis, sei es über Social Media oder im persönlichen Gespräch. Teile relevante Artikel und Dokumentationen und gib Denkanstöße, ohne belehrend zu wirken.
Werde aktiv – in der Schule, an der Universität, am Arbeitsplatz, in Vereinen oder in gesellschaftlichen Initiativen. Achte auf faire Regeln, melde Diskriminierung bei zuständigen Stellen und setze dich für die Förderung von Vielfalt ein.
Rassismus bekämpft man jeden Tag – durch Haltung, Worte und Taten. Veränderung beginnt im Kleinen.
Mehr konkrete Tipps für den Alltag gibt es unter anderem hier.